Es war in den späten Siebzigerjahren, als eine junge und etwas ver-rückte Guggenmusik "Ä-pfoch" in Appenzell durchstartete. Nach den Guggen-Proben wurde regelmässig und gerne gesungen, wie das in Appenzell üblich war. Im Gasthaus "Engel" in Appenzell, dem Stammlokal der Gruppe, wurde deshalb oft bis spät in die Nacht gesungen, allerdings ohne Ansprüche an Literatur und Gesangsqualität, dafür in markanter Lautstärke und aus vollem Herzen.
Um letzteres zu ändern und die alten Appenzeller Lieder zu pflegen, begannen fünf der Kollegen, ernsthaft miteinander zu proben. So trafen wir uns ab ca. 1980 jeweils am Sonntagnachmittag zur Gesangsprobe, privat zuhause.
Bereits 1979 haben wir als Versuch den alten Brauch des Neujahrssingens wieder aufgenommen, welcher seither ohne Unterbruch weiter gepflegt wird. Dieser Innerrhoder Brauch war vorher längere Zeit in Vergessenheit geraten. Dass heute gleich mehrere Formationen wieder zwischen Weihnachten und Neujahr von Haus zu Haus ziehen, um den Bewohnern mit Singen alles Gute zum neuen Jahr zu wünschen, ist wohl der Vorreiterrolle unserer fünf Engelchörli-Sänger zu verdanken.
Zu diesen fünf Gründern, welche ohne Ausnahme heute noch dabei sind, gesellten sich schon bald die drei weiteren Sänger. Zusammen bilden wir seit 1983 offiziell das «Engel-Chörli Appenzell». Fünf eigene CDs, Mitwirkung auf verschiedenen weiteren CD-Produktionen, mehrere TV- und Radio-Sendungen, ungezählte Auftritte in der Schweiz, aber auch im Ausland, sowie unsere alle drei Jahre stattfindenden Unterhaltungsprogramme sind das vorläufige Resultat unserer engen Freundschaft und Sängertätigkeit.
Am 22. April 2008 musste das Engel-Chörli einen herben Schlag einstecken. Nach exakt 25 Jahren gemeinsamem Singen in unveränderter Besetzung verstarb unser Mitglied und Freund Kläus Dobler. Als Komponist, Arrangeur, Handorgel-Begleiter des Jodelduetts und Vizedirigent hat er das Engel-Chörli massgeblich mitgeformt und vorwärts gebracht.
Während zu Beginn unserer Gesangstätigkeit vorab alte Appenzeller Lieder und Ruggusserli gesungen wurden, erweiterten wir unser Repertoire vorerst um Männerchorlieder und Messgesänge, zu denen mit der Zeit auch Jodellieder von verschiedenen Komponisten dazu kamen. Schon bald lag nun das musikalische Schwergewicht beim Jodelgesang und folgerichtig traten wir 1985 dem Jodlerverband bei. Seit 1986 besuchen wir lückenlos sämtliche Jodlerfeste des NOSJV, sämtliche Eidgenössischen Jodlerfeste sowie verschiedene Jodlerfeste bei andern Unterverbänden. Alle Vorträge des Engel-Chörlis wurden seither mit der Note 1 bewertet.
Anfang der Neunzigerjahre stieg die Lust an musikalischen Experimenten. Sukzessive kamen und kommen modernde Titel im Stil von "A-Cappella-Pop" hinzu, welche wir konsequent im Dialekt interpretieren. Heute singen wir beide Stilrichtungen gleichberechtigt nebeneinander. Vor allem dieses gemischte Programm ist das, was beim Publikum so gut ankommt und uns viele Freunde beschert.
Freude am Gesang und diese Freude hinauszutragen ins Publikum, dies war das ursprüngliche Ziel des «Engel-Chörlis». Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir hoffen, dass unser Publikum dies bei jedem unserer Vorträge spürt.